Die beruhigende Stille des Waldes – Waldbaden in einem finnischen Fichtenwald
Stille. Ein Konzept, das in unserem Alltag immer seltener wird. In einer lauten Welt sehne ich mich oft nach Orten, an denen der Lärm menschlicher Aktivitäten wohltuend fehlt und stattdessen die ruhige Klangkulisse der Natur herrscht – manchmal sogar absolute Stille. Glücklicherweise gibt es in Finnland noch viele Orte, an denen man wahre Stille genießen kann – zumindest, wenn nicht gerade ein Flugzeug über den Himmel zieht. In den Wäldern auf dem Land dringt selbst das Geräusch vorbeifahrender Autos nur selten in die Tiefe des Waldes vor.
An einem Novembertag in einem Fichtenwald fand ich einen solchen Ort und einen solchen Moment.

Ich betrete den Wald an einem Samstagmorgen. Selbst an sonnigen Tagen bleiben Fichtenwälder schattig, und je näher der Hochwinter rückt und die Tage kürzer werden, desto schneller ziehen Dämmerung und Dunkelheit in ihre Tiefen ein. Oft musste ich eine Pilzsammelrunde beenden und den Wald verlassen, weil die Schatten unter den dichten Bäumen zu dicht wurden, um noch Pilze zu erkennen, während der nahegelegene Waldweg noch deutlich heller blieb.

Auf einem feuchten, moosbewachsenen Wildpfad wird der Weg unter den Füßen weicher, gepolstert von Nadeln. Die Luft ist erfüllt vom Duft von Moos und Fichten – ein unverwechselbar frischer, harziger Geruch – mit einem Hauch von Verfall, da ich mich in einem Naturschutzgebiet befinde, in dem umgefallene Bäume sich selbst überlassen bleiben, um die Waldökosysteme zu bereichern. Es gibt keine Eile, keine Unterbrechungen.
Ein Fichtenwald ist eine eigene Welt. Im Vergleich zu buschigen Birkenhainen, in denen strahlend weiße Stämme in den Himmel ragen, oder Kiefernwäldern, die von Offenheit und Licht dominiert werden, umhüllt einen der Fichtenwald mit einer sanft schattigen Atmosphäre. Hier schwindet das Licht, und ebenso der Wind, der vielleicht noch über den Baumkronen tobt. Am Fuße der Fichten zu gehen, fühlt sich an, als sei die Welt stehen geblieben, und die Stille ist fast überwältigend.

Novemberwälder besitzen eine eigenartige, einzigartige Ruhe, da selbst die letzten Spuren des Sommers verschwunden und verwelkt sind. Vögel sind selten, aber irgendwo hoch oben zwischen den Fichtenzweigen ruft ein Schwarm Haubenmeisen scharf, bevor er weiterzieht. Ich weiß, dass auch Raben meine Bewegungen beobachten, deren seltsame Rufe gelegentlich die dichte Stille durchbrechen, während sie über den Wald fliegen.
Wenn ich innehalte, um zu lauschen, wird mir bewusst, dass selbst die Stille lebendig ist: Ein klarer Waldbach drängt sich durch das üppige Moos, der Wind streift die Fichtennadeln weit oben, und irgendwo – nicht ganz nah, aber auch nicht fern – geben zwei aneinanderlehnende Bäume ein gemeinsames Knarren von sich. Auch wenn diese Geräusche die Stille technisch brechen könnten, verstärken sie sie für mich nur. In meinem Alltag gibt es zwar viel Ruhe, aber hier fehlen selbst die leisen Summtöne und Pieptöne von Haushaltsgeräten. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Natur all meine Sinne erfüllt. Ich lasse meine Ohren zur Ruhe kommen und nehme die Energie des Waldes und seine Gelassenheit auf. Die Entspannung ist vollkommen, alles fühlt sich so natürlich an.

Für mich sind Momente wie diese im Wald wie Meditation, ganz ohne aufwendige Rituale. Es gibt nichts zu fürchten, nichts zu sorgen, nichts zu überlegen. Man existiert einfach und lässt den Wald einen beruhigen und heilen. Deshalb liebe ich es, allein durch Wälder zu streifen. Während es manchmal schön ist, einen Freund mitzunehmen und über die Geheimnisse des Lebens zu plaudern, ist mir die Einsamkeit im Wald unglaublich wichtig.

Die Zeit im Fichtenwald hat mich daran erinnert, wie wertvoll – und wie natürlich – diese Art von Stille ist. Nicht nur für mich, sondern auch für den Wald selbst. Der November bringt seine eigene Strenge mit sich, doch gleichzeitig ist der Fichtenwald in dieser Zeit am friedlichsten und, durch die Feuchtigkeit, am aromatischsten.

Wenn Sie im November nach Ruhe und geistigem Freiraum suchen, kann ich Ihnen nur empfehlen, die Stille eines Fichtenwaldes in Finnland zu erleben. Kleiden Sie sich passend zum Wetter, und Sie können an einem sonnigen Tag, bei Nebel oder Regen losziehen – persönlich finde ich Nebelwetter am magischsten, um Fichtenwälder zu erkunden. Der Nebel bringt den wahren Zauber des Ortes hervor.
Bringen Sie eine Thermoskanne mit etwas Warmem zu trinken, gute Schuhe und vielleicht eine kleine Decke zum Sitzen mit. Setzen Sie sich und lauschen Sie – nicht nur dem Wald, sondern auch sich selbst.

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