Ein Herbstausflug an die Ostsee in Finnland – Unsere Reise und Tipps für dich!
Die Küsten der Ostsee gehören meiner Meinung nach zu den schönsten Orten Finnlands, die man im Herbst – und sogar im Winter – besuchen kann. Der Winter ist hier im Norden eine lange, dunkle Jahreszeit, und wenn der Alltag unaufhörlich weiterläuft, sehnt sich der Geist hin und wieder nach einer belebenden Erfrischung. Jeder nahegelegene Wald entfaltet an einem Wochentagsabend seine leise Magie, aber an den Wochenenden ist Zeit, ein Stück weiter hinauszuziehen. Meine Wahl fällt dann auf die Meeresküste.
Diesmal waren wir nur unter Erwachsenen unterwegs – nur ich und eine gute Freundin. Der Alltag fiel in dem Moment von uns ab, als die Autotüren auf einem kleinen Waldweg zufielen; wir zogen die Rucksackriemen fest und traten auf den Pfad. Es war einer jener Tage, an denen man etwas tiefer atmen und die Wellen die Gedanken ordnen lassen möchte.

Am Meer taten der frische Wind und der duftende Wald genau das. Ein klarer, salziger Hauch strich uns über die Gesichter, und der Geruch von nassem Moos und Fichten aus den Schärenwäldern erfüllte unsere Lungen. Schon nach den ersten Schritten spürte ich, wie sich meine matte Stimmung aufrichtete.

Im Herbst werden viele finnische Wandergebiete still, und besonders an Wochentagen kann es sein, dass selbst die Wege beliebter Nationalparks völlig menschenleer sind. Auch heute gingen wir in völliger Ruhe. Der Rhythmus unserer Schritte und das gleichmäßige Rauschen der Wellen bildeten eine vertraute, heimische Klangkulisse, auf der der Geist sich entspannen und das Gespräch frei fließen konnte.
Am Sandstrand erwachten unsere inneren Kinder und begannen zu spielen – ganz wie vor dreißig Jahren, als wir wirklich Kinder waren. Wir betrachteten den Tanghaufen, den das Meer angespült hatte, und suchten darin nach Schätzen: Krabben- und Muschelschalen, kleine Ohrenquallen und sogar ein paar winzige, silberglänzende Fische, die das Meer an Land geworfen hatte. Wir wählten die schönsten Fundstücke aus – etwa einen besonders schönen, glänzenden Tangwedel – arrangierten sie zusammen mit anderen Entdeckungen auf einem mit Flechten bedeckten Küstenfelsen und machten Fotos.



Wir hatten Nüsse, Getränke und Müsliriegel eingepackt. Einen offiziellen Feuerplatz brauchten wir also nicht – und hier gab es ohnehin keinen. Stattdessen suchten wir uns eine runde Felskuppel mit schönem Blick auf das Meer und etwas Schutz vor dem Wind. Wir setzten uns, ließen die Brise unsere verschwitzten Gesichter kühlen und genossen eine ruhige Pause, plaudernd und zugleich die entspannte Stille auskostend – eine Fähigkeit, in der wir Finnen oft geradezu Meister sind.
Wir beobachteten vorbeiziehende Schiffe und Vögel – besonders die Seeadler und eine Meisenfamilie mit ihren fröhlichen Rufen ließen uns begeistert ausrufen. Schwanzmeisen bekommt man bei uns nicht jeden Tag zu sehen. Seeadler hingegen begegnen uns häufiger, und für mich ist ihr Anblick jedes Mal eine stille Erleichterung: Hier ist eine Art, die vor nicht allzu langer Zeit durch vom Menschen verursachte Gifte vom Aussterben bedroht war – und die gerettet wurde. Heute ist sie ein recht alltäglicher Anblick, wie sie mit breiten Schwingen über unseren Himmel gleitet.

Als wir eine windstille, mit kleinen Steinen übersäte Bucht erreichten, entdeckte meine Freundin ein Stück Müll auf dem Boden. Es war eine Plastikbox aus dem Supermarkt – vielleicht hatte sie einmal einen Salat enthalten. Sie zog einen Plastikbeutel aus ihrem Rucksack und warf den Abfall hinein. Beim weiteren Umschauen sahen wir noch mehr: zusätzliche Plastikstücke, kurze Seilabschnitte, Fetzen von Frischhaltefolie. Wir sammelten den Müll Stück für Stück auf, füllten den Beutel, und meine Freundin steckte ihn schließlich zurück in ihren Rucksack, um alles mit hinaus aus der Natur zu tragen.
Hier ein nützlicher Tipp für alle, die in die Natur hinausgehen: Ein leerer Plastikbeutel wiegt im Rucksack so gut wie nichts, kann aber einen großen Unterschied machen, wenn man unterwegs Müll einsammelt. Abfall aufzuheben ist praktischer Naturschutz – und es kann sogar die eigene Klima- oder Umweltangst lindern, falls man zu denen gehört, die sie kennen.

Draußen in der Natur lässt sich leicht über das Leben sprechen – selbst über die tieferen, vielleicht schmerzlicheren Themen, über die man im Alltag oft hinweggeht. Während das Meer in der Stille den Takt hält und der Wald schützend hinter uns steht, fanden die Worte ganz von selbst ihren Platz. Die Natur heilt und erneuert schon für sich allein, doch wenn man dabei auch sein Herz erleichtern kann, wirkt es umso stärker. Nach einem solchen Ausflug kehrt man heim und fühlt sich fast wie ein neuer Mensch.

Wir verbrachten viele Stunden dort draußen – und mussten zum Glück nie auf die Uhr schauen. Das schuf Raum für echte Präsenz: Schritt, Atem, Licht, Wind – alles, was wir brauchten. Kein Puls- oder Schrittzähler, keine ständige Erreichbarkeit, kein Lärm. Nur die Ruhe der Meereslandschaft und unser bewusstes Dasein.
Ein paar Tipps für dich!
Die Winter im Süden Finnlands sind inzwischen recht mild, und man kommt am Meer oft gut zurecht, wenn man festes, rutschfestes Schuhwerk und warme, möglichst wetterfeste Kleidung trägt. Je weiter der Herbst in den Winter übergeht, desto wichtiger werden eine wirklich warme Mütze, ein Schal und Handschuhe. Der Wind fühlt sich an der Küste schärfer an als im Landesinneren – daher ist das Zwiebelprinzip dein bester Freund. Wer sich im Spätherbst oder Winter an der Ostsee wirklich wohlfühlen möchte, trägt am besten Thermounterwäsche unter der Hose und spart auch sonst nicht an Wärme.
Wenn du Spikesohlen oder Schuhe mit Spikes verwendest, gehe nicht über Felsflächen. Die Spikes hinterlassen dauerhafte, unschöne Kratzer in der Haut des uralten Gesteins. Verwende sie nur auf Wegen und Straßen – der Fels verdient sein zeitloses, unberührtes Muster. Ein Lagerfeuer auf glattem Fels zu entfachen gehört zu den schlimmsten Sünden eines Wanderers – nicht nur, weil das Feuer außerhalb offizieller Feuerstellen verboten ist, sondern auch, weil es die Oberfläche des Felsens beschädigt und eine raue, hässliche Narbe hinterlässt.
Im Winter ist die Küste oft glatt vereist, daher sollte man seine Route immer mit Blick auf die Sicherheit wählen. Wer auf Waldpfaden bleibt und glatte Felsplatten meidet, ist in der Regel gut unterwegs – solange man die Schritte bedacht setzt und das Wetter im Auge behält.
Schöne Ausflugsziele an der Südküste Finnlands im Herbst und Winter sind zum Beispiel Porkkalanniemi in Kirkkonummi, Varlaxudden in Porvoo, das Naherholungsgebiet Uutela in Helsinki und Kopparnäs in Inkoo (siehe Links unten). Alle diese Orte bieten Rastplätze und gute Wege, sodass der Ausflug auch für Menschen oder Gruppen ohne viel Wildniserfahrung angenehm und sicher ist. Warme Kleidung, gute Verpflegung, festes Schuhwerk und eine markierte Route sind die Schlüssel zu einem schönen, unbeschwerten Tag am Meer.
Die Fotos in diesem Artikel stammen aus Kemiönsaari, von einer Halbinsel, die etwas schwerer zu erreichen ist. Hier gibt es keine Einrichtungen – keine Unterstände und keine Toiletten – daher sollte man auf eigene Faust unterwegs sein, kein Feuer machen und darauf vorbereitet sein, für die eigenen Bedürfnisse selbst zu sorgen.
Ganz gleich, wohin die Reise geht – nimm immer deinen gesamten Müll wieder mit. Auch wir ließen nichts zurück außer der makellosen Felsoberfläche, die für einen kurzen Moment unsere Rücken wärmte. Und wir nahmen zwei beruhigte Herzen mit – das Meer und der Küstenwald hatten unsere Eile fortgespült und uns mit neuer Zuversicht und einer wohltuenden, angenehmen Müdigkeit erfüllt.
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